Berühmte Sammlungen von Privatpersonen
Zu der berühmtesten Sammlung einer Privatperson zählt sicherlich die Sammlung des Grafen Philipp la Renotière von Ferrary.
Philipp von Ferrary konnte dank seines großen Vermögens so gut wie alle Weltraritäten kaufen. Zahlreiche Händler arbeiteten ausschließlich für ihn und suchten auf Auktionen auf der ganzen Welt nach den letzten fehlenden Stücken. Obwohl Philipp von Ferrary in Paris lebte, zog es ihn häufig nach Österreich und nach Deutschland. Er wurde schließlich österreichischer Staatsbürger, lebte aber weiterhin in Frankreich. Im Alter von 65 Jahren entschloss er sich, nach seinem Tode seine gesamten „Schätze“ dem von ihm sehr geschätzten Reichspostmuseum in Berlin zu hinterlassen. Der Erste Weltkrieg war jedoch bereits ausgebrochen und Philipp von Ferrary musste wegen seiner österreichischen Staatsangehörigkeit überstürzt in die Schweiz fliehen. Seine Sammlung hinterließ er vor seiner Abreise in der Österreichischen Botschaft. Die Sammlung (die aus ca. 120.000 Briefmarken bestand) wurde jedoch nach dem Krieg als Reparationszahlung angesehen und versteigert. Philipp von Ferrary erlebte die Zerstörung seines Lebenswerkes nicht mehr, da er ein Jahr vor Kriegsende verstarb. Die Versteigerung dauerte über sechs Jahre und brachte bis dahin nie erreichte Summen für die Briefmarken ein. Philipp von Ferrary war wohl auch der einzige Sammler in der Geschichte der Briefmarke, der von sich behaupten konnte, das Sammelgebiet „die ganze Welt“ komplett zu haben.
Eine weitere berühmte Sammlung gehörte Arthur Hind, der ebenfalls dank seines großen Vermögens in den Besitz zahlreicher Raritäten kam. So kaufte er beispielsweise auf einer Ferrary-Auktion die legendäre British Guiana 1¢ magenta. Weitere berühmte Sammlungen wurden von Colonel Greens, Alfred Caspary sowie dem Schweizer Tabakmillionär Burrus aufgebaut.
Auch die Sammlung „Altdeutsche Staaten“ des Amerikaners John R. Boker dürfte zu den großen Sammlungen gehört haben; sie wurde inzwischen in mehreren eigenen Auktionen in Wiesbaden aufgelöst.
Einer der bekanntesten deutschen Philatelisten war Friedrich Heinrich Zinckgraf (*1878; † 1954).
Berühmte Sammlungen von Staaten und Herrscherhäusern
Die Grundsteine für die heute berühmtesten und größten Sammlungen wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt.
Die Sammlung des Reichspostmuseums in Berlin zählt zu den größten und bedeutungsvollsten der Welt, obwohl große Verluste während der Weltkriege und der Nachkriegszeit entstanden. Die Sammlung musste mehrmals umziehen, da der ursprüngliche Aufbewahrungsort in der Leipziger Straße im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen wurde.
Das Museum für Kommunikation in Bern ist in Besitz einer der größten öffentlich zugänglichen Briefmarkensammlungen der Welt. Auch in den Gebäuden der Vereinten Nationen in Genf ist eine umfangreiche Briefmarkensammlung ausgestellt.
Die Sammlung des britischen Königshauses gilt als die größte Briefmarkensammlung weltweit. Die Sammlung besteht aus mehr als 400 Briefmarkenalben, die die größten Raritäten der Philatelie in sich vereinigen. Ihr Wert kann kaum geschätzt werden, da zahlreiche Unikate im Besitz des britischen Königshauses sind. Die Briefmarkensammlung wurde vor allem in der Zeit des Königs George V. zusammengetragen.
Eine weitere berühmte Sammlung ist die Sammlung des Königs Faruk von Ägypten, die jedoch nach seiner Absetzung aufgelöst und versteigert wurde. Ebenfalls berühmt wurden die Sammlungen König Carols von Rumänien sowie des Zaren Nikolaus II. von Russland.
Der erste Philatelist der Welt
Der Brite John Edward Gray, der die ersten Vorläufer der Briefmarkenkataloge, die Briefmarkenverzeichnisse, herausgegeben hatte, behauptete von sich selbst, der erste Philatelist der Welt gewesen zu sein, da er nämlich bereits Marken gesammelt habe, bevor es überhaupt Briefmarken gab, nämlich Steuer- und Stempelmarken aller Art. Gleich am 6. Mai 1840, dem Tag der Einführung der ersten Briefmarken weltweit in Großbritannien, kaufte er sich mehrere Exemplare dieser Marken in der Absicht, sie nicht zu verbrauchen, sondern aufzubewahren.
John Edward Gray war eigentlich ein bedeutender Zoologe, nach dem die Reiherart Ardeola grayii benannt wurde. Dieser Vogel wurde von der Postverwaltung von Bangladesch am 15. Juli 2000 auf einer eigenen Briefmarke verewigt.
(Quelle: wikipedia.org)




